Sie sind hier: Geschichte 18. Jh. Dachstocksan.  
 18. JH.
Rote Ruhr
1. Inventur
Dachstocksan.
Spital?
Franz. Einfall
 GESCHICHTE
16. Jh.
17. Jh.
18. Jh.
19. Jh.
20. Jh.
21. Jh.

DACHSTOCKSAN.

Die Dachstocksanierung 1778 - 1780

1778-1780 mussten in drei Bauetappen die grossflächigen Klosterdächer total abgerissen und neu aufgebaut werden, denn viele Dachbalken waren morsch und verfault, die Ziegel schadhaft. Der St. Ursen-Baumeister Pisoni zeichnete gratis den Plan für die neuen Dachstühle des Ost-, Süd- und Westflügels. Ein wohlwollender Ratsherr schloss für das Kloster die Verträge mit den Bauhandwerkern ab und überwachte auch die Ausführung. Die Baukosten freilich gingen voll zu Lasten des Klosters. Ueber diese Dachsanierung berichtet die Klosterchronik ausführlich. Weil zum grössten Teil auch der Estrichboden neu gelegt werden musste, hatten in jedem der drei Baujahre jeweils 10-12 Schwestern für 7-8 Monate keine Zelle mehr und mussten für ihr Bett sonst wo im Kloster einen Platz suchen.

Um Taglöhne zu sparen und damit die Arbeit zügig vorwärts ging, halfen die Schwestern beim Eindecken des neuen Daches Dachlatten und Ziegel in den Estrich hinauf tragen. Dabei fiel eine Schwester vom provisorisch gedeckten Estrichboden in den 1. Stock hinunter. Der herbeigerufene Wundarzt kümmerte sich nur um das arg zerschlagene Gesicht. Dem schmerzenden Oberschenkel mass er keine Bedeutung bei. Er merkte nicht, oder wusste sich nicht zu helfen, dass das Bein gebrochen war. Der schräge Bruch wuchs falsch zusammen, so dass eine Knochenspitze dauernd ins umliegende Gewebe stach. Die restlichen gut 20 Jahre ihres Lebens konnte diese Schwester kaum mehr gehen vor Schmerzen, die man als Rheuma auslegte. Die Leidensursache zeigte sich erst bei der Grabaufhebung.

Der Abschluss jeder der drei Bauetappen wurde mit der Aufrichte gefeiert, ein gewöhnlicher arbeitsintensiver Tag ausser dass die 15-20 Bauarbeiter und Helfer den ganzen Tag vom Kloster verköstigt wurden. Allerdings mussten sie an diesem Tag schon morgens um 5 Uhr zum feierlichen Aufrichte-Gottesdienst erscheinen. In der Chronik ist genau aufgeschrieben, was die Arbeiter zu essen erhielten:
Zum Frühstück um 8 Uhr gab es Suppe, Brot und pro Arbeiter gut 3 dl Wein und dazu vermutlich noch frisches Wasser vom fliessenden Klosterbrunnen. Kaffee war damals noch ein Luxusgetränk. Die Kühe gaben weniger Milch als heute und die Milch konnte nicht haltbar gemacht werden.

Zum Mittagessen um 12 Uhr: Suppe, Brot und Wein. Dazu im einen Jahr Speck, geräuchertes Fleisch und Sauerkraut, im folgenden Jahr am fleischlosen Freitag nebst Suppe, Brot und Wein Knöpfli, gedörrte Apfelschnitze und Käse.. Im letzten Baujahr 1780 Rindfleisch, Speck und Sauerkraut.

Zum Nachtessen bei Sonnenuntergang 1778: Suppe, Brot, Küchlein, Salat, Käse und pro Arbeiter ein halber Liter Wein. 1779: Suppe, Nudeln, Küchlein, Salat, Käse und 8 dl Wein. Danach waren die Arbeiter so munter, dass sie noch bis nachts 10 Uhr tanzten. Ein Maurer aus Bregenz spielte auf seiner Clarinette zum Tanz auf. 1780 gab es nebst Suppe und Brot Voressen, Pastete und Salat.